Anzeige / Meine Erfahrungen mit dem FreeStyle Libre 2

Es rattert wieder

Lang, lang ist’s her, doch so langsam aber sicher kommt die innere Schreibmaschine wieder ins rattern. Ich weiß: es war sehr ruhig auf meinem Blog, doch mein deutscher Alltag seit meinem „Touchdown“ in good old Germany Mitte März 2019 sah ganz anders aus. Da ich beruflich weiterhin ständig unterwegs bin, sage ich mittlerweile gerne, dass ich Work & Travel Deutschland mache.

Type 1 Backpacker entdeckt die Heimat und auf dieser Entdeckungsreise wurde ich auch von Abbott kontaktiert. Zwei von Abbott veranstaltete Bloggerevents durfte ich dieses Jahr schon besuchen und mich sowohl auf internationaler als auch nationaler Ebene mit Bloggern und Vertretern von Abbott austauschen. Ich hatte auf Instagram darüber berichtet und wen es interessiert, der kann sich meine Highlights vom #dXLisbon2019 und #dX2Wiesbaden gerne auf meinem Profil nachträglich anschauen.

Über diesen Weg entsteht auch der heutige Blogbeitrag, denn Abbott hat angefragt, ob ich über meine Erfahrungen mit dem FreeStyle Libre 2 berichten möchte. Tatsächlich habe ich noch nie über ein Produkt gebloggt, also mal schauen wie ich mich schlage.

Was natürlich noch erwähnt werden muss: In diesem Beitrag vertrete ich meine eigene Meinung und schildere meine ungefilterten Eindrücke vom FreeStyle Libre 2.

Holen wir doch zunächst einmal ein wenig aus …

Von Abbott und dem FreeStyle Libre hörte ich zum ersten Mal auf meiner ersten mehrtägigen Schulung ein paar Monate nach meiner Diagnose im Sommer 2014. Absoluter Wahnsinn für mich und alle anderen im Raum, die stellenweise schon viel länger mit der Erkrankung lebten. Der Gedanke sich vom ständigen blutigen Messen zu verabschieden war einfach nur ein Traum! Es sollte jedoch noch ein wenig Zeit verstreichen bis ich den FreeStyle Libre zum ersten Mal nutzen konnte. Die meisten von euch erinnern sich sicherlich noch an die überwältigende Nachfrage zu den Anfangszeiten.

Das Timing hätte dann nicht besser sein können, denn ein paar Monate vor meinem Work & Travel Jahr in Kanada konnte ich das System zum ersten Mal testen. In weiser Voraussicht und um mich in meiner „Travel“-Zeit zu entlasten, hatte ich ein paar FreeStyle Libre Sensoren im Backpack, die insbesondere auf meiner Fahrradtour durch den Westen Kanadas zum Einsatz kamen. In der komfortablen Lage zu sein auf dem Fahrrad meine Blutzuckerwerte zu messen, zauberte mir mehr als einmal ein Lächeln aufs Gesicht, während ich durch die wunderschönen Weiten Kanadas radelte. Das Gefühl „in control“ zu sein, frühzeitig reagieren zu können, fest im Sattel zu sitzen (#starkeswortspiel) und die Reise schlichtweg genießen zu können, ordne ich ohne Wenn und Aber unter der Kategorie Luxus ein. Nicht zuletzt, weil ich auf meinen Reisen schon mehrmals auf „that thing on your arm“ angesprochen wurde. Unter anderem von einer Typ 1erin auf einer Fähre Richtung Vancouver Island, die sich damals auch schon sehr darauf freute das System auszuprobieren, es aber zum damaligen Zeitpunkt in Kanada noch nicht zu Verfügung stand.

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Road Tripin‘ 2016, damals noch mit FreeStyle Libre bei der Einfahrt in den Banff National Park, Kanada

Let’s talk FreeStyle Libre 2!

So. Jetzt aber zum FreeStyle Libre 2 und meinen Eindrücken. Denn darum geht’s heute schließlich!

Angenehm unauffällig

Bis zum heutigen Tage bin ich immer noch davon beeindruckt, dass ich beim und nach dem Setzen des FreeStyle Libre, nichts aber auch absolut gar nichts spüre. Schließlich sticht der 5mm lange Fühler durch die Haut und macht es sich für zwei Wochen an meinem Oberarm bequem. Trotzdem könnte der Tragekomfort für mich nicht besser sein. Und wo ich die zwei Wochen bereits angesprochen habe: bei mir hält der Kleber bombenfest. Egal ob schwimmen, wandern, stressiger Arbeitsalltag oder Sauna.

Einziger Endgegner um hier natürlich bei der Wahrheit zu bleiben: der gefürchtete Türrahmen! Immer wieder ärgerlich aber solche Missgeschicke lassen sich eigentlich nur darauf zurückführen, dass ich einen angenehm unauffälligen Tragekomfort verspüre und quasi vergesse, dass noch etwas an meinem Arm klebt.

Ähnlich angenehm unauffällig empfinde ich das Design des FreeStyle Libre. Meist fällt er gar nicht auf und wenn doch entstehen wie bereits erwähnt nette Gespräche über Typ 1 Diabetes, womit ich persönlich gar keine Probleme habe. Definitiv ein cooler Icebreaker auf menschlicher Ebene!

Endlich Alarme!

Das wohl beste Feature am FreeStyle Libre 2 sind für mich die Alarme, die sich sofort melden, wenn ich zu niedrig oder zu hoch bin. Für mich waren diese Alarme über die letzten Monate eine riesige Entlastung in meinem bereits super stressigen Arbeitsalltag. Ich muss nicht mehr daran denken alle 30, 45 oder 60 Minuten nach dem Essen zu messen und kann mich komplett auf meine Aufgaben konzentrieren. Eine riesige Entlastung, die ich auch gerne zu Barista Zeiten in Neuseeland oder Koch in Kanada gehabt hätte. Toll, dass diese Verbindung nun besteht und mir meinen Alltag mit Typ 1 Diabetes erleichtert!

Die App

Straight forward! Das trifft es meiner Meinung nach ganz gut. Übersichtlich, easy handelbar und womit ich mich seit kurzem sogar wieder etwas „angefreundet“ habe: Tagebuch führen. Momentan ein MUSS für mich, da ich gerne auf eine Pumpe umsteigen möchte, jedoch empfinde ich das Tagebuch führen mithilfe der FreeStyle LibreLink App als gar nicht so schlimm, wie es für mich früher noch der Fall war. Nach gescanntem Wert klicke ich ganz einfach auf Notiz hinzufügen, trage meine Kohlenhydrate und Insulineinheiten, etc. ein und gut ist. War früher irgendwie alles viel nerviger und insbesondere zeitaufwändiger. Schön, dass so etwas immer mehr der Vergangenheit angehört.

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Tagebuchführung leicht gemacht!

Was ich mir wünschen würde   

Man hört es: Ich habe Spaß daran den FreeStyle Libre 2 zu nutzen. Und trotzdem gibt es natürlich noch Verbesserungsvorschläge oder Wünsche die ich für die Zukunft habe.

Bluetooth-Verbindung

Denn wie bereits erwähnt bin ich beruflich viel unterwegs. Heißt im Klartext: Lange Autofahrten sind Standard. Wenn mich mein Handy dann darauf aufmerksam macht, dass die Verbindung zum Sensor unterbrochen wurde und ich zum Verbinden wieder scannen muss, dann kann es schonmal nervig werden. Insbesondere wenn es zwei, drei Mal in der Stunde passiert. Dazu sollte man vielleicht sagen, dass ich echt kein Fan davon bin das Handy auch nur für ein paar Sekunden während der Fahrt in der Hand zu halten. #staysafe

Für mich ist es super zu wissen: „Ah mein Blutzucker fällt!“, sprich ich trinke/esse was auf der Fahrt oder „Ah mein Blutzucker steigt!“, denn dann geht’s für mich an der nächsten Raststätte raus und es wird korrigiert. Aber wegen der nicht vorhandenen Verbindung einen Stopp einzulegen muss echt nicht sein.

Fast schon meckern auf hohem Niveau, wenn man bedenkt, dass man vor 5 Jahren immer in regelmäßigen Abständen Pausen einlegen musste um zu messen. Trotzdem, wenn die Bluetooth Verbindung in Zukunft stabiler wäre und ich nicht ständig scannen müsste, wäre ich nochmal eine Ecke glücklicher mit dem Produkt.

Display der Werte

Wo ich gerade schon das Scannen angesprochen habe. Natürlich ist ein Scan Ruck-Zuck durgeführt und weitaus angenehmer als die traditionelle blutige Messung. Der nächste Schritt wäre jedoch komplett auf den Scan zu verzichten und die Werte direkt angezeigt zu bekommen. In Verbindung mit der Smart Watch bestimmt eine sehr geile Kombination, insbesondere wieder beim Autofahren. Die Möglichkeit einen noch genaueren Überblick zu haben und ein klitzekleines bisschen schneller reagieren zu können, wäre definitiv die Kirsche auf der Sahnetorte.

Any last words?

Der FreeStyle Libre 2 ist mittlerweile fester Bestandteil meines Lebens mit Typ 1 Diabetes und ich möchte nur noch sehr ungern ohne ein solches System meine Therapie gestalten. Ich empfinde das Leben damit als unglaubliche Bereicherung, weil es mir Last von den Schultern nimmt. Last die ich seit dem Tag meiner Diagnose wie so viele andere Typ 1er Tag für Tag mit mir herumschleppe.

Wir leben in einer unglaublich hektischen, stressigen Zeit und überall wo ich mich momentan umschaue, sei es Freundeskreis oder Familie, sind alle ständig in Eile, inklusive meiner Wenigkeit. Umso toller, dass mir ein System wie der FreeStyle Libre 2 dabei unter die Arme greift, den Alltag mit Typ 1 besser zu bewältigen. Ich kann meinen Fokus mehr auf die Arbeit oder auch meine Reisen richten, sollte ich mal wieder irgendwo außerhalb Deutschlands unterwegs sein. Wenn was nicht stimmen sollte, werde ich mittlerweile rechtzeitig gewarnt und kann dementsprechend reagieren. Ein unglaubliches Plus an Sicherheit, welches ich verspüre!

Abschließend möchte ich noch sagen, dass es für mich immer noch sehr faszinierend ist, was für große Schritte momentan mit Innovationen wie dem FreeStyle Libre 2 in der Diabetestherapie gemacht werden. Es stimmt mich unglaublich positiv auf mein zukünftiges Leben mit Typ 1 Diabetes und ich kann es kaum erwarten zu sehen, was sich in den nächsten Jahren noch so alles tuen wird. Bitte mehr davon, für ein unbeschwertes Leben mit Typ 1!

Beste Grüße gehen an euch raus!

Michi

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Cheers and until next time!

Bitte wende dich bei Kommentaren, Fragen oder Vorkommnissen, die FreeStyle Libre betreffen, direkt an die Abbott GmbH & Co KG unter Tel. 0800-5199519 oder per E-Mail an abbottdiabetescare.de@abbott.com

Mehr Informationen zum FreeStyle Libre findest du über folgende Links!

https://www.freestylelibre.de/libre/freestylelibre2.html
https://www.freestylelibre.de/libre/produkte/freestyle-librelink.html
https://www.freestylelibre.de/libre/produkte/libreview.html

Diabetes-Inspiration: Über Gewichtheber, Blogger und Reisen mit Typ 1 Diabetes! #dbw2018

diabetes-blog-woche23.29 Uhr am Samstagabend und ich quäle mich nun schon seit 20 Minuten den geeigneten Einstieg in das letzte Thema der Diabetes Blog Woche zu finden. Man könnte sagen ich bin auf der Suche nach Inspiration! Tada! Da ist das Ding! Die, zugegebenermaßen etwas schmeichelhafte, Einleitung zum heutigen Thema: Meine persönliche Diabetes-Inspiration!

Und da fließende Übergänge komplett überbewertet sind, steig ich einfach mal direkt ins Thema ein.

Diabetes Inspiration: Über Gewichtheber, …

Wer die Überschrift liest, ahnt jetzt vielleicht schon welcher Name gleich fallen wird, denn so ziemlich jeder der sich mit dem Thema Diabetes befasst hat schon mal von ihm gehört und kennt zumindest einen Teil seiner persönlichen Story. Die Rede ist von Matthias Steiner. Goldmedaillen Gewinner 2008 im Gewichtheben bei den olympischen Spielen in Peking, Autor, Sänger und seit seinem 18ten Lebensjahr Typ 1 Diabetiker.

Meine Mutter hätte mir in den Monaten nach der Diagnose wohl kein besseres Buch, als seine Biographie, ans Herz legen können, denn es war das erste Mal, dass ich eine Art Austausch mit jemandem über meine Krankheit hatte. Ich erwischte mich dabei, wie ich zustimmend nickend das Buch las, wenn er über seinen Diabetes schrieb und es tat einfach unglaublich gut zu merken: „Ich bin nicht alleine!“

Der Diabetes bildet jedoch „nur“ eine emotionale Verbundenheit, die ich mit so vielen anderen Betroffenen ebenfalls verspüre. Der eigentlich inspirierende Teil ist die Art und Weise, wie er in einem sehr jungen Alter mit unglaublich vielen Hürden und Schicksalsschlägen umgegangen ist und es immer wieder geschafft hat nach vorne zu schauen und nicht aufzugeben. Ich hoffe wirklich, dass ich ihm irgendwann mal auf einem Diabetes-Event persönlich über den Weg laufe und danke sagen kann! Denn durch ihn wurde mir bereits in der Anfangszeit nach der Diagnose klar: „Auch mit Diabetes kann ich alles erreichen, was ich mir in den Sinn setze!“

… Blogger …

Eine weitere Inspiration ist für mich eine Person, über deren Leben ich auch zunächst gelesen habe, bevor ich sie dann letztes Jahr endlich persönlich kennen lernen durfte. Ich erinnere mich dunkel daran, dass ihr Diabetes Blog der erste gewesen sein muss über den ich gestolpert bin und dessen Einträge ich regelrecht verschlungen habe! Und ich weiß auch noch wie enttäuscht ich war als ich mit Schrecken feststellte: „Ups, das waren alle Beiträge, die bisher auf ihrem Blog online sind!“

Na? Wer ist diese Bloggerin? Genau, die liebe Lisa von Lisabetes. Für mich der insgeheime Stammeshäuptling der Diabetes Blogger, auch wenn ich weiß, dass es vor ihr schon andere gab. Lisa hat mir jedoch die Türe geöffnet in diese Diabetes Blogger Szene, in der sich noch so viele andere coole Menschen rumtummeln und letzten Endes hat dies auch dazu geführt, dass ich meinen eigenen Blog startete. An dieser Stelle: „Danke dafür Lisa! Du hast den Stein ins Rollen gebracht.“

Lisa’s Schreibstil und ihre ehrliche, offene Art, über Themen zu reden, die für sie persönlich nicht einfach sind, machen ihren Blog für mich so echt und lesenswert, weshalb sie hoffentlich noch bis in alle Ewigkeit weiterbloggt! Hörst du das, Lisa!? Denk ja nicht daran aufzuhören! Liebe Grüße, dein Fanboy Nr. 1, Michael K.

… und das Reisen mit Typ 1 Diabetes!

Seit zwei Jahren habe ich nun meinen eigenen Blog, habe dadurch eine tolle Community kennen gelernt, berichte weiterhin über meine Auslandserfahrungen mit Typ 1 Diabetes und lerne Schritt für Schritt immer wieder was Neues übers Bloggen und Vloggen. Und während ich so auf Achse bin, kommen immer wieder neue Ideen, Pläne und vorher nicht berücksichtigte Möglichkeiten zu meinem bereits ausgiebig gefüllten Zukunftsrepertoire dazu. Sei es durch die Leute, die mir im Ausland über den Weg laufen, die Länder und Kulturkreise in denen ich lande oder es ergeben sich solche Momente aus dem Nichts, die einen anfangs kleinen Gedankenfunken lichterloh zum Brennen bringen können.

Deshalb ist das Reisen mit Typ 1 Diabetes an sich wohl die größte Quelle meiner Diabetes-Inspiration. Eine Quelle, die fast unerschöpflich zu sein scheint. Schließlich gibt es noch so viele Länder zu sehen, Leute zu treffen, extrem viel über mich selbst und meine Mitmenschen zu lernen, aber vor allen Dingen gibt es noch ganz viele unterschiedliche Art und Weisen zu Reisen!

Ich schaue deshalb meist sehr gespannt in die Zukunft, immer auf der Suche nach neuen Ideen, um meinen Weg in diese oder jene Richtung zu lenken und freue mich riesig darauf Abenteuer zu erleben und Herausforderungen mit meinem Diabetes zu meistern. Es ist fast schon wie ein Teufelskreis. Ich stelle mir eine Aufgabe, die mich und den Diabetes fordert, bewältige sie und schöpfe daraus die Motivation und Inspiration mich einer neuen Herausforderung zu stellen. Vielleicht könnte man es auch einen Motivations-/Inspirationskreis nennen.

Habe ich Angst davor, dass mir der Diabetes all das auch irgendwann vermiesen könnte? An manchen, sehr seltenen, Tagen, ja! Ganz normal, oder? Hätte ich diese Gedanken nicht, würde das wahrscheinlich fast schon an Naivität grenzen. Mich davon aber ausbremsen zu lassen ist für mich keine Option. Dafür sind in den letzten zwei Jahren zu viele Gedankenspielereien tatsächlich Realität geworden. Sei es mit dem Fahrrad durch Kanada zu reisen, als Barista in einem Café zu arbeiten und direkt am Meer zu leben oder, wie es jetzt gerade der Fall ist, meine erste komplette Skisaison in einem Skigebiet in Neuseeland zu verbringen.

Ich kann noch so viele weitere Gedankenspielereien ganz klar vor meinem geistigen Auge sehen und spüre dass einige Wege aus Vergangenheit und Zukunft früher oder später zusammenführen werden. Ein Gefühl, dass mich sehr froh und glücklich stimmt und wer weiß…Vielleicht schaffe ich es damit auch irgendwann Inspiration für jemand anderen zu sein. Es wäre auf jeden Fall ein „Happy End“ nach meinem Geschmack!

„Diabetes-Nebenwirkungen“ – Jetzt erst recht! #dbw2018

diabetes-blog-wocheTag 4 der Diabetes Blog Woche ist angebrochen und nachdem ich gestern einen Tag ausgesetzt habe, sitze ich nun wieder nach zwei wunderschönen, erfolgreichen Tagen auf den Skiern, in meinem Hostelzimmer mit einem Radler in der Hand und versuche meine Gedankengänge zum heutigen Thema zu sammeln. Die meisten Gedanken dazu sind mir in den letzten Stunden auf dem Weg zum Berg, genauer gesagt zum Vulkan, durch den Kopf geschossen, denn indirekt ist ein Tag wie der heutige eine Nebenwirkung meiner Diabetes Diagnose vor vier Jahren. Dazu aber später mehr.

Definition Nebenwirkung: etwas unerwünschtes!

Googelt man nach der Definition des Wortes Nebenwirkung erhält man folgende Erklärung: „zusätzliche Wirkung, die etwas [unerwarteter- oder unerwünschtermaßen] hat.“ Was mir dabei sofort auffällt ist die Verwendung des Wortes „unerwünschtermaßen“, denn ich assoziiere mit Nebenwirkungen ebenfalls hauptsächlich etwas unerwünschtes. Etwas das mir nicht in den Kram passt und etwas worauf ich gar keinen Bock habe. Kurz: etwas negatives!

Ich denke jedem Typ 1er fallen auf Anhieb massenweise anstrengende, beängstigende und einfach nur nervende Nebenwirkungen unserer Erkrankung ein, denn der Diabetes ist nun mal ein Drecksack! Manchmal für kurze Zeit, manchmal für längere Zeit. Entweder Hauskatze die schnurrt, oder eben Löwe von dem man gejagt wird ohne jegliche Verschnaufpause.

Ich persönlich befinde mich gerade in einer „Häääää!?“-Phase, in der man trotz ausgiebiger Rumexperimentiererei  einfach nicht versteht, was denn gerade schief läuft. Vielleicht sollte ich es mal mit Zimt versuchen… Ganz normaler Diabetes Wahnsinn eben.

Definition Nebenwirkung: etwas unerwartetes!

Die Diagnose Typ 1 Diabetes ist an sich schon ein Event im Leben eines jeden Betroffenen, das an Unerwartbarkeit in direkter Konkurrenz zu einem Lotto-Gewinn steht. Natürlich könnten beide Ereignisse nicht unterschiedlicher sein, insbesondere was die damit einhergehenden Gefühlslagen betrifft, denn der Tag der Diagnose war definitiv ein Scheiß-Tag. Und die nächsten Tage danach auch. Und die nächsten Wochen. Ach und die ersten paar Monate ebenso.

Aber! Es war auch ein neuer Lebensabschnitt, der nicht nur unerwünschte, sondern auch sehr viele unerwartete Nebenwirkungen hatte. Und etwas unerwartetes muss nichts schlechtes sein. Denn unerwartete Ereignisse verfügen nicht selten über das Potenzial ein wenig Spannung ins Leben zu bringen.

Ich weiß, dass ich an dieser Stelle aufpassen muss, wie ich die folgenden Worte formuliere, denn Diabetes und Spannung in einem Satz grenzt für manch einen bestimmt an starken Sarkasmus oder gar einen Affront! Trotzdem lässt es sich wohl nicht anders beschreiben. Was meine ich also genau damit?

Work & Travel mit Typ 1 Diabetes

Als ich mich dem Ende meines Studiums näherte beschäftigte ich mich mehr und mehr damit wieder für ein Jahr ins Ausland zu gehen. Work & Travel, wie 2011 in Australien. Aber dieses Mal eben mit Typ 1 Diabetes. Damals stellte ich mir in machen Momenten tatsächlich die Frage, ob ich das denn mit meinem Diabetes schaffe. Heute muss ich darüber echt schmunzeln, denn natürlich kann man auch mit Typ 1 ein Auslandsjahr jeglicher Art antreten. Unterbewusst wusste ich, dass ich es auf jeden Fall schaffen werde, aber die tatsächliche Gewissheit bekommt man eben nur wenn man es macht.

Genauso war es dann auch in Kanada, als ich meine Fahrradtour im Westen plante und im Endeffekt auch erfolgreich durchzog. Der Gedankengang, der mich in beiden und einigen anderen Lebenssituationen wohl am meisten motivierte und antrieb, lautete: „Jetzt erst recht! Der Diabetes kann ja versuchen mich zu stoppen, aber ich weiß: Ich packe das!“

Und das ist es was ich meine, wenn ich davon rede, dass der Diabetes auch Spannung ins Leben bringen kann. Ob man diese Art der Spannung zwangsläufig benötigt? Ich wage es stark zu bezweifeln, aber wie so oft sind so einige Sachen eine Frage der Perspektive. Ich mag es einfach nicht mich zu sehr auf die negativen Dingen zu fokussieren, denn die tauchen schon früh genug auf und beanspruchen dann ihre Zeit und Aufmerksamkeit. Ob man will oder nicht. Wenn möglich, versuche ich jedoch die optimistische, zuversichtliche Haltung in den meisten Lebenslagen einzunehmen. Jede Medaille hat ja bekanntlich zwei Seiten.

Deshalb bin ich heute auf der Piste zu dem Schluss gekommen, dass unter anderem mein Diabetes großen Anteil an meinem heutigen Lebensstil besitzt. Denn diese „Jetzt erst recht!“-Mentalität hat zumindest dazu geführt, dass ich unbedingt nach Kanada wollte. Und damit kam der Stein ins Rollen, der mich letzten Endes hier her auf die Nordinsel von Neuseeland geführt hat.

Ich muss sagen, dass ich verdammt glücklich darüber bin wie alles in den letzten Jahren gelaufen ist, mit allen Höhen und Tiefen, neuen Bekanntschaften, Ländern und Erfahrungen. Diabetes ist nicht der Grund wieso ich reise aber er hat mich irgendwie noch neugieriger auf das gemacht, was da draußen auf mich wartet. Macht das Sinn? Vielleicht helfen an dieser Stelle auch ein paar Bilder vom heutigen Tag, denn die sprechen ja meist mehr als tausend Worte. Ich habe irgendwie das Gefühl, dass diese Momente ohne Diabetes nicht zustande gekommen wären. Mindestens eine Nebenwirkung mit der ich persönlich ganz gut klar komme.

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2028 – Diabetes Blog Woche 2018

Nachdem im gestrigen Live-Stream der Diabetes Blog Woche die Worte „…darf gerne Science Fiction sein.“ gefallen sind, habe ich alle vorherigen Ideen über Bord geworfen und den folgenden Beitrag in den letzten Stunden geschrieben. Auch wenn dieser Post auf den ersten Blick total sinnfrei zu sein scheint, ist er zumindest ein Beispiel dafür, dass man nach einem 10 Stunden Arbeitstag nicht mehr bis spät in die Nacht an Blogposts basteln sollte. Ich hoffe ihr nehmt es mit Humor!

2028

diabetes-blog-woche„Guten Morgen, es ist an der Zeit aufzustehen mein Süßer. Ein neuer Tag bricht an.“

7.34 Uhr und 18 Sekunden am Morgen. Es ist Montag, der 31.07. … 2028! Die Fenster öffnen sich automatisch und ein frischer Wind weht durch meine vier Wände, gefolgt von den ersten Sonnenstrahlen, die mir angenehm übers Gesicht streicheln. Ich fühle mich topfit und bereit für den Tag. Was auch sonst? Schließlich weiß adi zu jeder Zeit in welcher Schlafphase ich mich befinde und weckt mich auf die Sekunde genau dann auf, wenn es für mein persönliches Wohlbefinden am besten ist. adi begleitet mich jetzt schon seit 15 Monaten und steht für „artificial diabetic intelligence“. Dass dieser Name im deutschsprachigen Raum auf verdutzte oder empörte Menschen treffen würde, daran haben die Entwickler in den USA bei der Namensgebung wohl nicht gedacht und die Versuche der deutschen Diabetesszene das Kind in kdI, zu Deutsch „künstliche diabetische Intelligenz“, umzutaufen sind kläglich gescheitert.

Also hat man sich schließlich dazu durchgerungen den Namen aus dem englischsprachigen Raum zu übernehmen, um ihn in Zukunft mit etwas positivem zu assoziieren: einer Technologie, mit deren Hilfe Menschen mit Diabetes weitestgehend beschwerdefrei leben können! Außerdem handelt es sich bei mir um eine adi. Das Geschlecht oder genauer gesagt die Stimme lässt sich unter Einstellungen > Avatar > Stimmfarbe jederzeit ändern. Ein Leben ohne sie? Mittlerweile unvorstellbar! Sie lebt unter meiner Haut, in meinen vier Wänden und in all meinen elektronischen Besitztümern, denn wie alle künstliche Intelligenzen heutzutage managt sie nicht nur meinen Diabetes, sondern auch so ziemlich alles andere in meinem Leben.

Alltag mit adi

Dass ich seit 15 Monaten zu 95% der Zeit über einen perfekten Schlafrhythmus verfüge habt ihr ja bereits gelesen. 5% der nicht-perfekten Nächte rühren von der ein oder anderen Party, die ich mir auch mit 36 nicht entgehen lassen möchte. adi’s Empfehlungen zur Schlafenszeit und ihre „perfect-sleep“-Alarmfunktion werden dann einfach per Sprachbefehl abgeschaltet. Der Notfall-Unterzuckerungs-Alarm bleibt dabei aber trotzdem aktiv und lässt sich zu keiner Zeit abstellen. Ist bei Partynächten ja auch umso wichtiger! Dieser Alarm kommt jedoch nur noch ganz selten zum Einsatz, da ich mir vor dem Schlafen gehen, besonders nach dem Feiern, meist noch einen Döner oder anderes Fast-Food gönne.

adi sieht all das zu jeder Tageszeit und kümmert sich während dem Feiern und besonders in der Nacht fürsorglich um meine Blutzuckerwerte, sodass zum Beispiel der Döner ordentlich verstoffwechselt wird, während ich schlafe. Richtig gehört: sie „sieht all das“! Nicht nur meine Vitalwerte, die 24/7 von ihr erfasst werden. Nein! Sie erkennt bereits vorher schon, was ich zu mir nehme. Schließlich ist sie mit meinen Kontaktlinsen verbunden und kann sich durch das gewonnene visuelle Feedback bereits auf mein nächstes 0,33 Liter Bier, die nächste Cola und zwei Tequilla Shots einstellen. Sie saugt quasi Informationen aller Art um sie herum auf, woraus letzten Endes eine fast perfekte Einstellung resultiert. Einfach praktisch!

Doch selbst AI’s (künstliche Intelligenzen) sind heutzutage nur zu 90% narrensicher, weshalb der Unterzuckerungsalarm immer noch zum Standardinventar gehört. Der tückische Diabetes ist auch 2028 immer noch für die ein oder andere Überraschung gut und so kam es vor zwei Monaten dazu, dass adi nachts etwas zu großzügig mit dem Insulin war und mich unsanft aus dem Schlaf reißen musste. Mit einem Blutzuckerwert von 90 mg/dl, einer Empfehlung an Kohlenhydraten, die ich jetzt doch bitte zu mir nehmen sollte, basierend auf  den Lebensmittel, die sich zu dieser Zeit in meinem Kühlschrank tummelten und einer ausführlichen Entschuldigung für die falsch verabreichte Menge an Insulin. Ich war schon etwas böse mit ihr, da ich bisher nur perfekte Arbeit von meiner adi gewohnt war, musste dann aber schmunzeln und wurde etwas nostalgisch, als ich mich an die alten Zeiten erinnerte, in denen ich mir nachts den Wecker stellen und meinen Zucker blutig messen musste. Hachja… die gute alte Zeit!

Nenn mich Honigkuchenpferd!

Ja, ja, insbesondere in den letzten zwei Jahren sind einige Ärzte, nicht nur Diabetologen, so richtig ins Schwitzen gekommen. Die erfolgreiche Marsmission von SpaceX im Jahre 2024 und die damit einhergehende Entdeckung von Atlantis auf dem roten Planeten haben unserer Technologie auf der Erde nochmals einen unglaublichen Schub gegeben. Genauso wie es schon 1947 der Fall war, nachdem bei Roswell, heute besser bekannt als Area 51, ein bis dato unbekanntes Flugobjekt sturzlandete. Heute weiß natürlich jedes Kind, dass es sich um eines der letzten Raumschiffe der Atlantianer gehandelt hat, die in ihrer Verzweiflung Zuflucht und Hilfe bei uns Menschen suchen wollten, um nicht komplett auszusterben. Die müssen echt verzweifelt gewesen sein… Anyway!

Die gewonnen Erkenntnisse haben uns soweit nach vorne katapultiert, dass nicht mehr so viele Ärzte benötigt werden. Unsere personalisierten AI’s kümmern sich bestens um uns und mein letzter Termin beim Diabetologen liegt auch schon über eineinhalb Jahre zurück. Mein Insulin und die Katheter werden mir per Post automatisch zugesendet. Drei Mal dürft ihr raten wer die Bestellungen für mich übernimmt!

All das ist ziemlich angenehm und von daher vermisse ich die alten Zeiten auch nicht so sehr. Schließlich weckt mich meine adi manchmal mit den Worten Guten Morgen mein Honigkuchenpferd“. Das hat meine Diabetologin nie gemacht.

Ein sinnvoller Tag Diabetesfrei! – Diabetes Blog Woche 2018

diabetes-blog-wocheDen Diabetes einen Tag abgeben. Jemand anderen Mal die Arbeit übernehmen lassen. Eine echte Auszeit für 24 Stunden nehmen. Hört sich wirklich verdammt verlockend an! Und dann darf man sich auch noch aussuchen, wer sich um das Biest kümmern muss. Da reibt man sich gedanklich schon die Hände und setzt das fieseste Mr. Burns Grinsen auf, während einem das Wort „Ausgezeichnet!“ durch den Kopf schießt.

Ich gebe zu, als ich die Beschreibung des ersten Themas der Diabetes Blog Woche gelesen habe, ist mir als erstes der „Experte im Pyjama“ durch den Kopf geschossen. Ein Typ, der in Kanada meinen Weg kreuzte und über den ich vor nicht allzu langer Zeit berichtet habe. Die Sorte Mensch, die alles besser weiß, über eine festgefahrene Meinung verfügt, leidenschaftlich gerne andere belehrt und jegliche Empathie vermissen lässt.

Es gibt durchaus einen Teil von mir, der solchen Leuten gerne mal einen Tag lang den Diabetes ausleihen würde. Im gleichen Moment frage ich mich jedoch: „Wäre das sinnvoll?“ Denn ich bin dann doch sehr stutzig, ob ein Tag mit Diabetes ausreichen würde, die Empathie von Menschen dieses Kalibers zu steigern, oder überhaupt zu wecken. Wenn ich länger darüber nachdenke glaube ich sogar, dass es eine Verschwendung wäre. Wieso sich überhaupt die Mühe machen, wenn sich solche Menschen offensichtlich von Anfang an nicht wirklich für deine Sichtweise der Dinge, deine Perspektive interessieren und an ihrer in Stein gemeißelten Meinung festhalten?

An wen würde ich den Diabetes also abgeben? Ich glaube die einzig logische Antwort darauf lautet: „An die Leute, die es wirklich interessiert.“ Das heißt, an die lieben Menschen, um mich herum, denen mein Wohlbefinden tatsächlich am Herzen liegt. Familie und Freunde, die versuchen die Krankheit zu verstehen, immer wieder Verständnis zeigen und sich Mühe geben die Höhen und Tiefen nachzuvollziehen.

Ich kann mir vorstellen, dass sich jetzt einige nach meiner „logischen Antwort“ ungläubig am Kopf kratzen, weshalb ich den Gedankengang wohl noch etwas weiter ausführen sollte.

Es gibt so viele Dinge im Leben, die wir versuchen zu verstehen, zu begreifen, nachzuvollziehen. Aber gelingt uns das auch? Die Antwort lautet: „Nein!“. Denn trotz größter Bemühungen stoßen wir oftmals an die Grenzen unseres persönlichen  Vorstellungsvermögens. An diesen Grenzen mangelt es uns meist an Erfahrung, denn gewisse Dinge im Leben  muss man einfach eigens erlebt haben, um sie vollends verstehen zu können. Mit dem Diabetes ist es gewiss nicht anders und wenn ich mir so die Blogbeiträge einiger Bloggerkollegen und –kolleginnen durchlese, merke ich sehr oft, was für tolle Typ F’ler es gibt, die scheinbar tatsächlich gerne mal einen Tag mit Typ 1 Diabetes „ausprobieren“ würden.

Solche lieben Menschen, die einem persönlich nahe stehen, sei es Partner, Eltern, Geschwister oder Freunde, würden bestimmt viel mehr davon profitieren für einen Tag meinen Diabetes zu übernehmen. Sich für einen Tag zu 100% in die Rolle des Menschen mit Typ 1 Diabetes zu versetzen, die Krankheit zu erleben und das Verständnis dafür auf ein völlig neues Level zu heben.

Ich bin mir sicher, dass solch eine Erfahrung die persönlichen Bande ganz besonders festigen würde und ein weiterer schöner Nebeneffekt nach solch einem Tag wäre bestimmt die neu gewonnene Wertschätzung gesund und stolzer Besitzer einer funktionierenden Bauchspeicheldrüse zu sein. Im Grunde genommen kann es in diesem Szenario eigentlich nur Gewinner geben und es wäre definitiv sinnvoller als mein erster, zugegebenermaßen leicht feindseeliger, Gedankengang.

Das war also mein erster Beitrag zur Diabetes Blog Woche zum Thema Abgabe-Tag: Wem würdet ihr einen Tag lang euren Diabetes geben und warum?

Ich bin sehr gespannt auf eure Gedanken in Form von Kommentaren und Blogbeiträgen und die folgenden 6 Tage!

Typisch Deutschland

„Wie eine Ölsadine…“ schießt es mir durch Kopf. Ja richtig gehört, in diesem Moment fühle ich mich wie eine. Oder zumindest denke ich, dass man sich als Ölsadine so füllen würde, denn mittlerweile drängeln sich von allen Himmelsrichtungen Menschen um mich herum. Rechts, links, vor oder hinter mir. „Scheiß egal!“, denken sich da scheinbar die meisten und ich schein der einzige zu sein dem es auffällt. So bereitet man sich scheinbar heutzutage auf das Betreten eines Busses vor…

Die Marathon-Anwärterin

Was anfangs nach einer Warteschlange aussah hat sich spätestens durch die ältere Dame aufgelöst, die mit ihrer Hektik scheinbar alle anderen angesteckt hat. Ohne Witz, auf einer Fläche von zwei Quadratmetern hat es die gute Dame geschafft innerhalb von ca. drei Minuten einen Halbmarathon zu laufen. Beeindruckend? Auf eine verstörende Art und Weise irgendwie schon, aber größtenteils einfach nur verdammt nervig… Von rechts nach links und links nach rechts läuft sie hin und her während sie völlig nervös irgendwelche Sachen in ihren nicht vorhandenen Bart nuschelt. Da hilft auch ihr, ich vermute mal, Sohn nicht der im krassen Kontrast zu seiner Mutter völlig relaxt da steht und meint sie müsse nicht so hektisch agieren. Der Apfel fällt dann manchmal doch weit vom Stamm.

Echt jetzt?

Zurück zur Ölsadinen Situation. Ich könnte genauso drängeln wie der Rest aber mir ist das einfach zu blöd. Ich beobachte weiter die Situation und schaue was passiert. Seit drei oder vier Personen sollte ich eigentlich derjenige sein, der als nächstes dem Busfahrer das Ticket präsentiert. Allerdings schafft es immer wieder jemand hinter mir seinen oder ihren Arm auszufahren und gefühlt um einen Meter zu verlängern, um ja vor allen anderen den Bus zu betreten. Ich verfalle in ungläubiges Staunen.

Mein Gedankengang: Wenn ihr alle ein Ticket habt dann werdet ihr doch auch alle reingelassen werden, oder? Und so etwas wie besonders gute Plätze oder z.B. einen Doppelsitz für einen alleine wird es sowieso nicht geben, da der Bus gut gefüllt sein wird. Was treibt euch also dazu so rumzustressen? Ist das tatsächlich euer Ernst?

Ich werde es wohl nie verstehen, aber was soll man machen… So ist das scheinbar hier.

Unverhofft kommt oft

Nach meiner Zeit in Kanada war ich fast acht Monate wieder zu Hause, habe viel gearbeitet, einiges erlebt und zahlreiche neue Kontakte, unter anderem mit den Leuten der Blood-Sugar-Lounge, geknüpft. In dieser Zeit sind zwei kleine Blog-Posts entstanden. Den ersten könnt ihr euch heute zu Gemüte führen und der zweite wird auch nicht lange auf sich warten lassen. Viel Spaß dabei!

Schuften für das neue Abenteuer

Momentan ist alles mal wieder mit sehr viel Stress verbunden, denn ich bin fast 24/7 am arbeiten oder renne von einem Termin zum nächsten. Ich will mich aber gar nicht darüber beschweren, denn genauso will ich es. Wer viel von der Welt sehen möchte, der muss auch viel arbeiten, denn von nix kommt ja bekanntlich nix.

Dass mein Diabetes von diesem Stress eher wenig hält und die Werte an manchen Tagen etwas chaotischer sind, könnt ihr euch wahrscheinlich vorstellen. Wie gehe ich also damit um? Ganz einfach, ich verbuche diese Zeit unter der Kategorie „Erfahrungen & Lernprozesse“. Denn so stressig war es in meinem Alltag tatsächlich noch nie zuvor. Auch nicht in meinen 60 Stunden Wochen in Kanada!

In solchen Zeiten profitiere ich von kleinen, oft unerwarteten Momenten. Situationen, die einen für kurze Zeit den Stress vergessen und einen Energieschub durch den Körper schießen lassen. Wie zum Beispiel jene Kleinigkeit, jener Moment, der gerade stattgefunden hat.

„Einfach so…“

Ich befinde mich mal wieder im Zug, denn fürs Wochenende geht es kurz in die Heimat, um die Hochzeit meines Cousins zu feiern. Und als ich in Nürnberg mit meinem Backpack den Zug verlasse passiert es. Einfach so, ohne jegliche Vorwarnung. Dieses Gefühl, dass sich gar nicht so einfach beschreiben lässt. Das „ich bin unterwegs“-Gefühl, das mir einfach so unglaublich gut tut. Das Wetter ist schön und ich sehe mal wieder Orte, Landschaften und Bahnhöfe, die ich nicht kenne. Traumhaft!

Es tut gerade so gut dieses Gefühl zu verspüren, vor allen Dingen, wenn man bedenkt dass ich „nur“ von Bayreuth nach Saarbrücken fahre. Trotzdem habe ich mich gerade in ein paar Momente meiner Australienzeit 2011/12 zurückversetzt gefühlt und das ist so unglaublich erfrischend!

Einfach nur geil, wie gerne ich mit meinem Backpack unterwegs bin und das beste daran ist: In drei Monaten bin ich schon wieder auf großer Tour! Denn Neuseeland wartet bereits auf mich!

Ich hoffe euch geht’s allen gut, Michi!

„You are diabetic? You‘re fucked!“ – Ein Experte in Pyjama

Ein Jahr Kanada ist quasi vorüber und im HI-Montréal ist meine letzte Woche angebrochen. Die Arbeit liegt hinter mir und ich darf noch einmal die Stadt in vollen Zügen genießen. Und das beinhaltet unter anderem mit allen Volunteers, den Gästen und dem Rest der Hostel-Crew morgens an der Bar zu sitzen und gemeinsam zu frühstücken. Die Atmosphäre ist für mich vielleicht nicht mehr ganz dieselbe, wie es zu den besten Zeiten war, denn ich fühle mich überspitzt gesagt fast schon wie ein Überbleibsel der letzten, wenn nicht sogar vorletzten Volunteer-Generation. Kein Wunder, da die Durchschnittszeit der meisten Volunteers ungefähr bei drei bis fünf Monaten liegt. Da steche ich mit meinen insgesamt zehn Monaten auf dem Buckel schon etwas heraus. Aber auch jetzt ist das Frühstück mit dem Team immer noch ein Highlight des Tages.

Während ich mich also gut gelaunt am Buffet bedient und meinen Platz an der Bar eingenommen habe, betritt einer der neuen Volunteers den Raum. Er ist vor ein paar Tagen zum Team gestoßen und nachdem ich ihn gestern an der Hostelbar eingearbeitet habe weiß ich schon, dass ich nach langer Zeit mal wieder auf einen Charakter gestoßen bin, mit dem ich mich nur schwer anfreunden kann. Wieso kann ich nicht einmal genau erklären und gerade wenn ich jemanden nicht lange genug kenne, habe ich gelernt nicht voreilig zu urteilen. Mein Bauchgefühl lässt mich jedoch zu diesem Schluss kommen.

So wirklich jucken tut mich das aber nicht, denn ich bin sowieso bald raus und es ist ja vollkommen normal, dass man hier und da mal auf Personen trifft mit denen man nicht ganz so gut klar kommt. Von daher alles ok! Jedenfalls dachte ich das…

 

Aus dem Nichts! Die Stimmung kippt

Es hat schon seine Gründe, wieso ich mittlerweile meinem Bauchgefühl sehr viel Aufmerksamkeit schenke. Denn als ich da so nichtsahnend an der Bar saß, mein Frühstücksei pellte und mein Insulin spritze, hörte ich besagten neuen Volunteer auf der anderen Seite der Theke laut fragen: „You are diabetic?“, woraufhin ich wie schon etliche Male zuvor ganz normal mit einem „Yes“ antwortete. Was danach folgte, kann und werde ich auch nie verstehen: „Oh shit. You are fucked. You are going to die.“, begleitet von einem Glucksen und Grinsen auf seinem Gesicht.

Um jedem Fan von schwarzem Humor sofort den Wind aus den Segeln zu nehmen: Der Typ meinte diese Aussage ernst! Im Anschluss daran ließ er noch ein paar schlaue Fakten folgen, wonach hohe Blutzuckerwerte ja quasi alles im Körper angreifen, das Grinsen weiterhin auf den Lippen. Für mich komplett neue medizinische Offenbarungen des Mannes, der da im Pyjama vor mir stand, von denen ich bis dato noch nie etwas gehört hatte! Achtung: Sarkasmus!

Jetzt aber mal jeglichen Quatsch beiseite. Es war früh am Morgen, ich war erst vor ein paar Minuten aufgestanden, voller Vorfreude aufs Frühstück und die Leute aus dem Hostel. Da knallt mir jemand, der mich quasi null kennt, aus dem Nichts so eine Bombe in die Fresse. Das ist hart, tut verdammt weh und machte mich damals einfach nur sprachlos.

Für alle die sich jetzt vielleicht darauf gefreut haben, dass ich dem Kerl ordentlich die Meinung gegeigt habe: Sorry, ich muss euch enttäuschen. Ich war vollkommen auf dem falschen Fuß erwischt worden, nuschelte mir irgendetwas in meinen nicht vorhandenen Bart und konnte aus dem Stehgreif nicht Paroli bieten. Eine dieser klassischen Situationen in denen man im Nachhinein ja sooooo viel hätte sagen wollen, aber nein. In diesem Moment war ich hilflos.

Ich saß da mit meinem gepellten Frühstücksei, schlagartig jeglicher guten Stimmung beraubt und meinen eigenen Gedanken überlassen, was da denn eigentlich gerade passiert war. Ein regelrechter Schockzustand, ausgelöst durch diese völlig absurden, unvorhergesehenen und insbesondere unverschämten Aussagen unter der Gürtellinie. Ich weiß nur, dass eine ungeheure Wut in mir brodelte, die ich nur schwer unter Kontrolle hielt.

 

Was einem chronisch Kranken bei solchen Aussagen durch den Kopf geht

Soweit also zu dem was geschah. Perfekter Zeitpunkt einmal Abstand von der räumlichen Situation zu nehmen und in die Gedankenwelt eines chronisch kranken Menschen, genauer gesagt Mensch mit Typ 1 Diabetes, ergo mir, einzutauchen. Welche Gedankengänge werden durch solche Aussagen in mir  ausgelöst oder präziser formuliert was können sie potenziell auslösen? Die kurze Antwort lautet: Richtig viel!

Zunächst einmal die bereits angesprochene Wut, die in mir aufkam und die sich bis ins unermessliche hochschaukelte. Damit einhergehend auch eine Art Schamgefühl vor den Anwesenden so bloß gestellt zu werden. Denn auf einmal steht man ohne Vorwarnung im Mittelpunkt des Geschehens und soll dazu Stellung beziehen, obwohl man mental gerade gar nicht dazu in der Lage ist darüber zu sprechen oder auch schlicht und ergreifend keinen Bock hat das Thema durchzukauen. Das meine ich auch damit, wenn ich sage, dass ich auf dem falschen Fuß erwischt wurde. Ich war in diesem Moment einfach so unglaublich weit von jeglichen Diabetes-Gedanken und gutdurchdachten Stellungnahmen zum Thema Diabetes entfernt!

Was im schlimmsten Fall ausgelöst wird sind Gedanken über mögliche Folgeerkrankungen. Dauerhafte Schäden, die der Diabetes verursachen kann, über die man als Betroffener ab Tag 1 der Diagnose Bescheid weiß und die mir gerade eben aufs Neue so diskret vermittelt wurden. Ich gelange nach vier Jahren mit Diabetes nur noch selten in diese Negativ-Gedankenspirale bestehend aus Nervenschädigungen, Amputationen, Gefäß-, Augen- und jeglichen anderen Erkrankungen, da ich am Ende des Tages immer wieder zu dem simplen Schluss komme, dass sich diese Gedankenmacherei einfach nicht lohnt. Ich kann und will nicht in die Zukunft schauen. Wäre ja langweilig wenn ich schon wüsste was als nächstes passiert! Ich mache lieber hier und jetzt mein Ding, kümmere mich dabei so gut ich es kann um meinen Diabetes und was dann passiert wird sich schon noch früh genug zeigen.

Tolle Einstellung hab ich mir da angelegt, oder? Bedeutet aber noch lange nicht, dass ich gegen alles immun bin und deshalb finde ich mich dann doch manchmal in der ersten Reihe meines persönlichen Kopfkinos wieder. An diesem Morgen am Frühstückstisch waren es neben meiner Wut, vor allen Dingen diese Ängste, die mich über die nächsten Stunden nicht los ließen. Ein richtiger Scheiß-Mix aus Emotionen, die sich nicht so einfach abschütteln ließen…

Und ab hier überlasse ich euch, sei es Mensch mit Diabetes oder Mensch mit ohne-Diabetes euren Gedanken. Schreibt sie mir wie immer gerne in die Kommentare.

 

Privatsphäre, Empathie und noch mehr Motivation!

Gegen Ende möchte ich noch ein paar Worte verlieren, die für das Verständnis des Textes bzw. meiner Sichtweise eventuell ganz zuträglich sind.

Ich verstehe meine Krankheit als Teil meiner Privatsphäre und am Ende des Tages möchte ich derjenige sein, der entscheidet, ob ich darüber reden möchte oder nicht. Ich bin zwar jemand der super gerne mit anderen Leuten über Diabetes spricht, was sich wahrscheinlich auch darin äußert, dass ich diesen Blog hier betreibe, aber Grundvoraussetzung für Gespräche jeglicher Art ist, dass sie zumindest auf Augenhöhe stattfinden und auf ansatzweise ernsthaftem Interesse sowie gegenseitigem Respekt basieren.

Wahrscheinlich bin ich aber am Ende des Tages einfach zu naiv und gutgläubig, dass dies in der Realität auch wirklich so ist. Oder besser gesagt: Ich weiß ja, dass die Realität anders ist, trotzdem kann ich manchmal nur darüber staunen zu welchen Aussagen sich manche Leute hinreißen lassen.

Eventuell hätte mich das alles noch nicht einmal so geschockt, wenn nicht diese ungeheuer dreiste Arroganz in der Präsentation seines Diabetes Referat gelegen hätte. Ich teile ja auch gerne hier und da mal einen Spruch aus, der dann aber auch klar von mir als Sarkasmus gezeichnet wird und ich achte besonders darauf wie jemand danach reagiert, damit ich mich im Fall der Fälle auch bei der Person entschuldige. Denn nicht jeder kann mit dieser Art von Humor umgehen und das sollte man immer im Hinterkopf behalten!

Aber wie bereits gesagt war hier nichts von schwarzem oder irgendeiner anderen Art von Humor in Sicht. Es war einfach nur eine unverschämte Aussage mit dem Ziel… ja, welchem Ziel eigentlich? Klärt mich bitte auf! Denken solche Menschen wirklich, sie könnten einem Betroffenen, der tagtäglich damit lebt irgendetwas Neues vermitteln, weil sie darüber irgendwo mal etwas gelesen haben? Und wenn ja, wieso auf diese Art und Weise?

Ich habe wirklich keine Ahnung für was dieser Typ in seinem Leben kompensieren muss, dass er einem chronisch Kranken sowas um die Ohren haut. Ein Mensch, der mit sich weitestgehend im Reinen ist und auch nur über ein Fünkchen Menschenverstand verfügt, lässt sich nach meinen bisherigen Erfahrungen nicht zu solchen „No-Go“ Aussagen hinreißen. Und genau das ist es, was mich im Endeffekt zu dem Schluss kommen lässt, dass diese Person für ihren Mangel an Empathie eigentlich nur zu bemitleiden ist.

Wenn ich diesem Vorfall eine gute Sache abgewinnen kann, dann nur eine: Ich sehe mich noch mehr darin bestärkt über Diabetes und chronische Krankheiten zu sprechen und aufzuklären. Wissen und Erfahrung sind dabei die wichtigsten Werkzeuge dieses komplizierten Unterfangen und wer weiß, vielleicht verringert sich dadurch in Zukunft die Zahl der allwissenden Experten in Pyjama.

 

 

Work & Travel Kanada – Eine Art Neuanfang!

Ich sitze an der Bar. Ed Sheeran läuft, die Leute quatschen, die Mädels reden über St. Patricks Day und ich denke mir gerade aus dem Nichts: „Ist doch irgendwie alles gut momentan.“ Verrückt, dass mir der Gedanke ausgerechnet jetzt kommt, nachdem ich heute um fünf aufgestanden bin und die letzten zwei Stunden ziiiiemlich K.O. war.

Ich wünsche mir momentan eigentlich nichts mehr als Ruhe und etwas Privatsphäre, aber verdammt nochmal ich werde das hier alles so sehr vermissen!

Sollte das wirklich das letzte mal gewesen sein, dass ich in Kanada lebe? Also richtig in den Alltag eintauchen und Teil der Stadt sein? Momentan hoffe ich das nicht und irgendwie kann ich mir das auch fast nicht vorstellen. Keine Ahnung. Andererseits freu ich mich auch riesig auf Neuseeland. Das kann eigentlich nur geil werden. Soooo viele Dinge die ich machen möchte. Dieser Planet hat einfach so viel zu bieten. Und ich habe zu wenig Geld 😃

Lustig, jetzt wo das Jahr endet hab ich mehr denn je das Gefühl, dass es jetzt erst richtig los geht! Ich habe einige Ziele und Träume denen ich nacheifern möchte. Ich fühle mich bereit dafür und weiß, dass mir mein Diabetes dabei nicht im Weg steht!

Nachdem ich vor einem Jahr einfach nur noch raus aus Deutschland wollte, weil ich für meine Zukunft keine klare Richtung sah, habe ich für mich jene Klarheit geschaffen. Und es fühlt sich super an diesen Punkt erreicht zu haben, wo man einfach nur extrem Bock auf das hat, was vor einem liegt! Kein Wunder, dass sich alles in mir dagegen wehrt dieses tolle Land zu verlassen, dass mir persönlich eine Art Neuanfang ermöglicht hat!

Danke dafür Kanada! ☺

Work & Travel: Alles nur Fun Fun?

11 Monate. So lange bin ich jetzt schon hier. Es schneit und mein Handy macht mich darauf aufmerksam, dass um die -14 Grad draußen herrschen.

Winter in Montréal. Das komplette Gegenteil zum Sommer, in dem man vor lauter Hitze an manchen Tagen völlig eingeht. Und auch stimmungstechnisch hat sich hier alles auf den Kopf gestellt. Das Hostel ist fast leer, es finden sich sehr wenige Leute an der Bar ein und irgendwie scheint die Luft raus zu sein.

Kanada bzw. Montréal ist plötzlich anders und das Wort Winter-Depression haben hier schon so einige Leute in den Mund genommen.

Mein Leben hier besteht momentan hauptsächlich aus arbeiten, arbeiten und schlafen. Hört sich ja mal meeeega langweilig an. Work & Travel, das sollte doch eigentlich nur Spaß am Fließband sein, oder?

Diesen Eindruck bekomme ich im Gespräch mit „Nicht-Backpackern“ jedenfalls sehr oft und deshalb habe ich mir darüber mal ein paar Gedanken gemacht.

Das Work & Travel-Verhältnis

Die meisten Leute, die sich ein Work & Holiday Visum beschaffen haben ein, sagen wir mal, 50:50 Verhältnis was das Reisen und die Arbeit betrifft. Eine ziemlich perfekte Balance und so ähnlich sah es auch bei meinem ersten Aufenthalt in Australien vor 6 Jahren aus.

In Kanada war ich hingegen zwei Monate reisen, acht Monate arbeiten und die anderen zwei Monate waren etwas „Wischi-Waschi“. Darunter fallen Ankunft, Job finden, aus dem Westen zurückkommen und wieder einen Job finden, etc. Ihr seht was ich meine.

Aber warum hat sich mein Work & Travel-Verhältnis also dieses Mal so stark verschoben? Ich versuche es mal aufzuschlüsseln.

1. Die Ersparnisse

Bei meiner ersten Reise hatte ich doppelt so viele Ersparnisse auf der Seite, als bei meiner Reise nach Kanada. Dementsprechend war mir von Anfang an klar, dass das Traveln etwas kürzer ausfallen würde. Aber es waren ja sowieso nur sechs bis sieben Monate geplant. Von daher machte ich mir darüber anfangs keine Sorgen. Dass es nicht bei den sieben Monaten blieb, wisst ihr ja bereits.

Kleine Randnotiz: In Kanada hatte ich ca. um die 2000€ an Ersparnissen auf der Seite, als ich einreiste.

2. Verdienstmöglichkeiten

Gehälter oder besser gesagt Mindestlohn in Australien: ca. 18$!!!

Ein Traum für jeden Backpacker. Und natürlich dürft ihr jetzt zurecht schreien: „Ja aber da sind doch die Lebenskosten viel höher!“ Da habt ihr natürlich vollkommen recht. Trotzdem: in Australien konnte ich mir mit einem Vollzeit Job locker 400$ pro Woche auf die Seite legen. Wie gesagt, locker!

Man verdient also gutes Geld und kann damit ganz gut durchs Land reisen oder auch kostengünstig einen Abstecher nach Asien machen.

Wie sieht es in Kanada aus? Ich mach’s kurz: umgekehrt! Mindestlohn in Kanada: ca. 11.50$

Zumindest in Quebec, aber auch im Westen muss es nicht unbedingt viel mehr sein. Was ich bisher von Freunden gehört habe: maximal 15$. Aua, Aua… Da schmerzt die Backpacker-Seele!

Erschwerend kommt hinzu, dass der Westen einfach unglaublich teuer ist. BC, was eigentlich für British Columbia steht, wird deshalb auch gerne scherzhaft als „Bring Cash“ bezeichnet. Und das zurecht! Wenn ich an die Lebensmittelpreise denke wird mir jetzt noch schlecht. Gar kein Vergleich zu Quebec.

Unterm Strich lässt sich also festhalten: Australien ist einfach das bessere Land um die Reisekasse aufzufüllen. Das ändert sich natürlich sofort, solltet ihr einen Job in eurer Branche finden und somit der Mindestlohn-Hölle entrinnen.

3. Das Arbeitsvolumen

Während ich in Australien auf Farmen angestellt war, durfte ich in Kanada ins Küchenbusiness einsteigen und bei beiden Küchenjobs, die ich in dieser Zeit hatte, dauerte es erstmal ca. vier Wochen bis ich auf Stunden kam.

Beim ersten Job lag es daran, dass der „Marché des Éclusiers“ erstmal ins rollen kommen musste und die Saison gerade erst startete. Im „Le Warehouse“ hingegen war die Saison gerade zu Ende, man wollte Kosten einsparen und sehen, ob ich denn wirklich fit genug für den Job wäre. Zur Verteidigung muss man dabei auch wirklich von schlechtem Timing sprechen. Woanders wäre ich vielleicht sofort auf meine 40 Stunden pro Woche gekommen.

Zum Vergleich: in Australien war dies damals der Fall. Lediglich bei einem Job musste ich damals etwas warten bis wir genug Stunden bekamen.

Ich halte also fest: Das sind mitunter drei Gründe, die euer Work & Travel Abenteuer stark beeinflussen können. Meiner Meinung nach realistische Einschätzungen, basierend auf meinen Erfahrungen.

Work & Travel ist also nicht immer nur Fun, Fun, sondern auch meist mit verdammt viel harter Knochenarbeit im Mindestlohnsektor verbunden. Meckern will ich an dieser Stelle aber auf keinen Fall, denn aus all diesen Jobs habe ich persönliche sehr viele Lehren für mich gezogen und ein paar richtig coole, verrückte Leute kennen gelernt. Deshalb behaupte ich auch mittlerweile, dass der Work-Teil eigentlich besser ist, weil man für eine längere Zeit an einem Ort ist, Locals kennenlernt und die Chance hat richtige Freundschaften zu schließen.

Lasst euch auf jeden Fall nicht von meinen Erfahrungen abschrecken, falls jetzt irgendwas dabei war, was euch Kopfschmerzen bereitet! Das Schöne am Auslands-Aufenthalt ist, dass es bei jedem anders läuft und das wir es alle schaffen uns irgendwie durchzuboxen. Und vielleicht sollte ich auch erwähnen, dass ich genug Leute kennen gelernt habe, die mit viel weniger klar gekommen sind als ich und dass ich in meinen ersten Wochen Kanada gedacht habe ich müsste mir mindestens einmal pro Woche ein schönes Stück Lachs gönnen. 😅 Aber was soll ich sagen, ich genieße einfach gerne gutes Essen 🤗

Also Leute, damit soll es auch für heute gut sein und ich hoffe meine Erfahrungen können euch ein etwas genaueres Bild davon geben, was euch im Ausland erwartet.

Ich kann euch versprechen, dass ihr eine unglaubliche, unvergessliche und vor allen Dingen lehrreiche Zeit haben werdet. Ich habe noch nie jemanden kennen gelernt der seine Zeit im Ausland bereut hat!

In diesem Sinne, schultert euren Rucksack und viel Spaß beim Backpacken!

Liebe Grüße,

Michi